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privatrecht:auslegung_von_allgemeinen_geschaeftsbedingungen
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Auslegung von allgemeinen Geschäftsbedingungen

Allgemeine Geschäftsbedingungen sind nach ihrem objektiven Inhalt und typischen Sinn einheitlich so auszulegen, wie ein verständiger und redlicher Vertragspartner sie unter Abwägung der Interessen der normalerweise beteiligten Verkehrskreise versteht, wobei nicht die Verständnismöglichkeiten des konkreten, sondern die des durchschnittlichen Vertragspartners des Verwenders zugrunde zu legen sind. Ausgangspunkt für eine solche Auslegung Allgemeiner Geschäftsbedingungen ist in erster Linie deren Wortlaut. Ist dieser nicht eindeutig, kommt es entscheidend darauf an, wie der Vertragstext aus Sicht der typischerweise an Geschäften der in Rede stehenden Art beteiligten Verkehrskreise zu verstehen ist, wobei der Vertragswille verständiger und redlicher Vertragspartner zu beachten ist.1)

Dabei sind auch der Sinn und Zweck einer Klausel sowie systematische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Eine Formularklausel ist vor dem Hintergrund des gesamten Formularvertrags zu interpretieren.2)

Verbleiben nach Ausschöpfung aller in Betracht kommenden Auslegungsmöglichkeiten Zweifel und sind zumindest zwei Auslegungsergebnisse rechtlich vertretbar, geht die Unklarheit nach § 305c Abs. 2 BGB zu Lasten des Verwenders.3)

Dabei ist die kundenfeindlichste Auslegung maßgeblich, also diejenige Auslegung, die zur Unwirksamkeit der Klausel und zur Anwendung des dispositiven Rechts führte.4)

Allerdings bleiben solche Auslegungsmöglichkeiten außer Betracht, die zwar theoretisch denkbar, praktisch aber fernliegend und daher nicht ernstlich in Betracht zu ziehen sind.5)

Die Auslegung von Allgemeinen Geschäftsbedingungen durch das Berufungsgericht ist revisionsrechtlich in vollem Umfang überprüfbar.6)

Die Satzungsbestimmungen einer Zusatzversorgungskasse unterliegen als formularmäßig gestalteten Vertragsbedingungen entsprechende Bestimmungen der uneingeschränkten revisionsrechtlichen Nachprüfung.7)

Allgemeine Versicherungsbedingungen sind so auszulegen, wie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer sie bei verständiger Würdigung, aufmerksamer Durchsicht und unter Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs versteht. Dabei kommt es auf die Verständnismöglichkeiten eines Versicherungsnehmers ohne versicherungsrechtliche Spezialkenntnisse und damit auch auf seine Interessen an. In erster Linie ist vom Bedingungswortlaut auszugehen. Der mit dem Bedingungswerk verfolgte Zweck und der Sinnzusammenhang der Klauseln sind zusätzlich zu berücksichtigen, soweit sie für den Versicherungsnehmer erkennbar sind. Maßgeblich ist dabei grundsätzlich der Zeitpunkt des Vertragsschlusses.8)

Werden Versicherungsverträge typischerweise mit einem und für einen bestimmten Personenkreis geschlossen, so sind die Verständnismöglichkeiten und Interessen der Mitglieder dieses Personenkreises maßgebend.9)

Im Verhältnis zu den beteiligten Arbeitgebern sind die Satzungsbestimmungen der Zusatzversorgungskassen als Allgemeine Versicherungsbedingungen so auszulegen, wie ein durchschnittlicher Versicherungsnehmer sie bei verständiger Würdigung, aufmerksamer Durchsicht und Berücksichtigung des erkennbaren Sinnzusammenhangs versteht. Damit kommt es auf die Verständnismöglichkeiten eines durchschnittlichen an der Kasse beteiligten Arbeitgebers an, dem die Grundgegebenheiten der Zusatzversorgung bekannt sind. In erster Linie ist vom Bedingungswortlaut auszugehen. Der mit dem Bedingungswerk verfolgte Zweck und der Sinnzusammenhang der Klauseln sind zusätzlich zu berücksichtigen, soweit sie für den Versicherungsnehmer erkennbar sind.10)

Liegt eine Versicherung für fremde Rechnung vor, kommt es bei der Auslegung Allgemeiner Versicherungsbedingungen daneben auch auf die Verständnismöglichkeiten durchschnittlicher Versicherter und ihre Interessen an. Weiter ist zu berücksichtigen, dass der typische Adressaten- und Versichertenkreis in der D&O-Versicherung geschäftserfahren und mit Allgemeinen Geschäftsbedingungen vertraut ist.11)

Sieht eine unter Geltung des Anspruchserhebungsprinzips („Claims-made-Prinzip“) geschlossene D&O-Versicherung bei einer Beendigung des Vertrages „aus einem anderen Grund als eines Prämienzahlungsverzuges oder der Liquidation, Insolvenz, Verschmelzung oder Neubeherrschung der Versicherungsnehmerin“ eine prämienneutrale Nachmeldefrist vor und knüpfen die AVB die automatische Vertragsbeendigung an die Insolvenzantragstellung, versteht der durchschnittliche Versicherungsnehmer die Klausel so, dass der Ausschluss der Nachmeldefrist nur bzw. schon dann eingreifen soll, wenn es gerade infolge einer Insolvenzantragstellung zu einer automatischen Vertragsbeendigung kommt. Er wird der Regelung insbesondere nicht entnehmen, dass eine anderweitige Vertragsbeendigung, etwa durch eine ordentliche Kündigung des Versicherers - auch wenn sie auf insolvenzbedingten Umständen beruhen mag - zum Ausschluss der Nachmeldefrist führen soll.12)

Ansatzpunkt für die bei einer AGB-Klausel gebotene objektive, nicht am Willen der Vertragsparteien orientierte Auslegung ist in erster Linie ihr Wortlaut. Haben die Parteien der auszulegenden AGB-Klausel übereinstimmend eine von ihrem objektiven Sinn abweichende Bedeutung beigemessen, ist allerdings diese maßgebend. In diesem Zusammenhang sind auch individuelle Umstände des Vertragsschlusses zu berücksichtigen.13)

Bei einem Gesamtklauselwerk müssen auch der Inhalt anderer Klauseln, mit der auszulegenden Klausel in einem erkennbaren Regelungszusammenhang steht, und ihr Zusammenwirken berücksichtigt werden. Werden in Allgemeinen Geschäftsbedingungen Rechtsbegriffe verwendet, so sind sie in der Regel entsprechend ihrer juristischen Fachbedeutung zu verstehen, insbesondere wenn die Rechtssprache mit dem verwendeten Ausdruck einen fest umrissenen Begriff verbindet oder erkennbar auf eine gesetzliche Regelung Bezug genommen wird.14)

siehe auch

1)
BGH, Urteil vom 19. September 2024 – VII ZR 10/24, Rn. 17; m.V.a. BGH, Urteil vom 19. Januar 2023 - VII ZR 34/20, Rn. 29 f., BGHZ 236, 96; BGH, Urteil vom 5. Mai 2022 - VII ZR 176/20, Rn. 29 f., BauR 2022, 1337 = NZBau 2022, 648, jeweils m.w.N.; BGH, Beschluss vom 8. Juli 2021 - I ZR 196/15; m.V.a. BGH, Urteil vom 23. Juli 2020 - I ZR 119/19, BGHZ 226, 262 Rn. 30 mwN
2)
BGH, Urteil vom 19. September 2024 – VII ZR 10/24, Rn. 17; m.V.a. BGH, Urteil vom 19. Januar 2023 - VII ZR 34/20, Rn. 29 f., BGHZ 236, 96; BGH, Urteil vom 5. Mai 2022 - VII ZR 176/20, Rn. 29 f., BauR 2022, 1337 = NZBau 2022, 648, jeweils m.w.N.
3)
BGH, Urteil vom 19. September 2024 – VII ZR 10/24, Rn. 17; m.V.a. BGH, Urteil vom 19. Januar 2023 - VII ZR 34/20, Rn. 29 f., BGHZ 236, 96; BGH, Urteil vom 5. Mai 2022 - VII ZR 176/20, Rn. 29 f., BauR 2022, 1337 = NZBau 2022, 648, jeweils m.w.N.; BGH, Beschluss vom 8. Juli 2021 - I ZR 196/15; m.V.a. BGH, Urteil vom 12. Januar 2017 - I ZR 253/14, GRUR 2017, 397 Rn. 65 = WRP 2017, 434 - World of Warcraft II; BGHZ 226, 262 Rn. 30
4)
BGH, Urteil vom 11. Dezember 2024 – IV ZR 498/21, Rn. 16; vgl. BGH, Urteil vom 31. März 2021 - IV ZR 221/19, BGHZ 229, 266 Rn. 36 m.w.N.; BGH, Beschluss vom 8. Juli 2021 - I ZR 196/15; m.V.a. BGH, Urteil vom 13. Februar 2020 - IX ZR 140/19, NJW 2020, 1811 Rn. 45 mwN
5)
BGH, Urteil vom 19. September 2024 – VII ZR 10/24, Rn. 17; m.V.a. BGH, Urteil vom 19. Januar 2023 - VII ZR 34/20, Rn. 29 f., BGHZ 236, 96; BGH, Urteil vom 5. Mai 2022 - VII ZR 176/20, Rn. 29 f., BauR 2022, 1337 = NZBau 2022, 648, jeweils m.w.N.; BGH, Beschluss vom 8. Juli 2021 - I ZR 196/15; m.V.a. BGH, Urteil vom 13. November 2012 - XI ZR 500/11, BGHZ 195, 298 Rn. 16; BGH, GRUR 2019, 284 Rn. 43 - Museumsfotos
6)
BGH, Urteil vom 11. Dezember 2024 – IV ZR 498/21, Rn. 16; vgl. BGH, Urteil vom 6. März 2019 - IV ZR 72/18, VersR 2019, 542 Rn. 28; BGH, Urteil vom 25. Juli 2012 - IV ZR 201/10, BGHZ 194, 208 Rn. 20 m.w.N.; BGH, Beschluss vom 8. Juli 2021 - I ZR 196/15; m.V.a. BGH, GRUR 2019, 284 Rn. 41 - Museumsfotos, mwN
7)
BGH, Urteil vom 2. Oktober 2024 – IV ZR 37/23, Rn. 22; vgl. BGH, Urteil vom 5. Juli 2023 - IV ZR 118/22, VersR 2023, 1165 Rn. 14
8)
OLG Köln, Urteil vom 28. August 2026 – 20 UKl 2/24; m.V.a. BGH, Urteil vom 10. Dezember 2025 - IV ZR 34/25, juris-Rz. 20; BGH, Urteil vom 12. März 2025 – IV ZR 32/24, Rn. 40; m.V.a. BGH, Urteil vom 18. Januar 2023 – IV ZR 465/21, BGHZ 236, 74, juris Rn. 20; BGH, Urteil vom 24. Juni 2009 – IV ZR 110/07, VersR 2009, 1617, juris Rn. 10; BGH, Urteil vom 11. Dezember 2024 – IV ZR 498/21, Rn. 17; m.V.a. BGH, Urteil vom 12. Juni 2024 - IV ZR 341/22, VersR 2024, 995 Rn. 19; BGH, Urteil vom 17. Januar 2024 - IV ZR 51/22, r+s 2024, 210 Rn. 17; BGH, Urteil vom 27. November 2024 – IV ZR 42/24, Rn. 16; m.V.a. BGH, Urteil vom 17. Januar 2024 - IV ZR 51/22, r+s 2024, 210 Rn. 17 m.w.N.; st. Rspr.
9)
BGH, Urteil vom 27. November 2024 – IV ZR 42/24, Rn. 16; m.V.a. BGH, Urteil vom 15. November 2023 - IV ZR 277/22, VersR 2024, 240 Rn. 16 m.w.N.
10)
BGH, Urteil vom 2. Oktober 2024 – IV ZR 37/23, Rn. 23; vgl. BGH, Urteil vom 9. Dezember 2015 - IV ZR 336/14, BetrAV 2016, 61 Rn. 30 m.w.N.; m.V.a. BGH, Urteil vom 11. Januar 2023 - IV ZR 85/20, VersR 2023, 545 Rn. 19 m.w.N.; BGH, Urteil vom 17. Januar 2024 - IV ZR 51/22, r+s 2024, 210 Rn. 17; BGH, Urteil vom 5. Juli 2023 - IV ZR 118/22, VersR 2023, 1165 Rn. 14, jeweils m.w.N.; st. Rspr.
11)
BGH, Urteil vom 18. Dezember 2024 – IV ZR 151/23, Rn. 26; m.V.a. BGH, Urteil vom 18. November 2020 – IV ZR 217/19, BGHZ 227, 279 Rn. 11 m.w.N.
12)
BGH, Urteil vom 18. Dezember 2024 – IV ZR 151/23, Rn. 27–30
13)
BGH, Urteil vom 14. November 2023 – XI ZR 88/23, Rn. 44; m.V.a. BGH, Urteil vom 9. Mai 2023 - XI ZR 544/21, WM 2023, 1126 Rn. 18 f.; BGH, Urteil vom 16. Juni 2009 - XI ZR 145/08, BGHZ 181, 278 Rn. 16; BGH, Urteil vom 20. Januar 2016 - VIII ZR 152/15, NJW-RR 2016, 526 Rn. 18
14)
BGH, Urteil vom 20. Juni 2023 – XI ZR 576/21
privatrecht/auslegung_von_allgemeinen_geschaeftsbedingungen.txt · Zuletzt geändert: von mfreund

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