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urheberrecht:himmelsscheibe_von_nebra

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"Himmelsscheibe von Nebra"

Die Himmelsscheibe

Im Juli 1999 wurde in Sachsen-Anhalt auf dem Mittelberg nahe Wangen bei Nebra im Landkreis Merseburg-Querfurt in einer ringförmigen Wallanlage eine rund zwei Kilogramm schwere, kreisrunde Scheibe mit einem Durchmesser von 32 Zentimetern gefunden. Die mit Goldauflagen versehene Bronzescheibe weist auf Grund ihrer Gestaltung offensichtliche Bezüge zur Himmelskunde auf und wird nicht zuletzt wegen ihres geschätzten Alters von 3600 Jahren als Schlüsselfund der so genannten Archäoastronomie und einzigartige Darstellung des Kosmos im vorgeschichtlichen Europa angesehen.1)

Himmelsscheibe von Nebra

Fundgeschichte

Die beiden Finder der Scheibe versuchten, sie über Hehler in Berlin, München und in der Schweiz zu veräußern, bis es der Polizei im Februar 2002 bei einer fingierten Verkaufsaktion gelang, die Scheibe sicherzustellen. Im Februar 2002 erschien im Focus-Magazin ein Bericht unter dem Titel „Die Jagd nach den Sternen“ mit einem Lichtbild der Scheibe, das Wochen vor ihrer Sicherstellung aufgenommen worden war. Ebenso im Februar 2002 erschien ferner ein Lichtbild der Scheibe in der Basler Zeitung, das durch den zuständigen Staatsanwalt der Basler Staatsanwaltschaft zeitgleich mit der Sicherstellung der Scheibe und anderer archäologischer Gegenstände gefertigt worden war. Am Tag zuvor hatte der Staatsanwalt zudem eine Internet-Mitteilung auf der Homepage der Staatsanwaltschaft Basel veröffentlicht, in der ebenfalls zwei Lichtbilder der Scheibe präsentiert wurden. In der Folgezeit wurde die Scheibe dem kl. Land ausgehändigt. Sie befindet sich seitdem in der Obhut des Landesamtes für Archäologie, wo sie untersucht und umfangreich restauriert wurde. Seit März befindet sie sich im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle/Saale. Am 25. 9. 2002 stellte dieses die Scheibe der Öffentlichkeit in einer Pressekonferenz vor, verteilte Abbildungen über eine Pressemitteilung und eine CD-Rom, die den anwesenden Personen, unter denen sich auch der Bürgermeister der Bekl. befand, zur Verfügung gestellt wurde. An diesem Tag erhielt die Scheibe den Namen „Himmelsscheibe von Nebra“, unter dem sie in der Folgezeit weltweit bekannt wurde.2)

Rechtliche Fragen

In Zivilprozessen bezüglich der Verwertungsrechte stehen sich das Land Sachsen-Anhalt und die Verlage Piper und Heyne gegenüber:

  • LG Magdeburg, Urteil vom 16.10.2003 - 7 O 847/03
  • LG Magdeburg, Urteil vom 19.04.2005 - 5 W 32/05

Bei den Prozessen geht es insbesondere um die Frage nach der Reichweite des urheberrechtlichen Schutzes nachgelassener Werke.

Die Himmelsscheibe war schon aufgrund ihres Alters im Geltungsbereich des Urhebergesetzes niemals geschützt.3)

Die Himmelsscheibe ist auch im Sinne der Vorschriften des Urhebergesetzes zuvor niemals erschienen.4)

Soweit vor der offiziellen Veröffentlichung der Himmelsscheibe von Nebra bereits Ablichtungen der Himmelsscheibe von Nebra in der Presse erschienen sind, hindert das die Entstehung eines Schutzrechtes nach § 71 UrhG für den Verfügungskläger nicht. Ebenso wie das Erscheinenlassen steht auch die öffentliche Wiedergabe unter dem Vorbehalt, dass dies durch den Berechtigten geschieht.5)

Die Entstehung des Schutzrechtes gem. § 71 UrhG ist auch nicht dadurch ausgeschlossen, dass infolge der Umsetzung der Richtlinie 93/98/EWG des Rates der EU vom 29.Oktober 1993 zur Harmonisierung der Schutzdauer des Urheberrechts und bestimmter verwandter Schutzrechte die weitere Alternative der öffentlichen Wiedergabe hinzugefügt wurde, so dass in dem Herumtragen der Himmelsscheibe bei Umzügen eine bereits erfolgte öffentliche Wiedergabe gesehen werden könnte.6)

Es würde Sinn und Zweck des § 71 UrhG widersprechen, wenn man bei einem mehrere 1.000 Jahre verschollenen Werk die Entstehung des Schutzrechtes aus § 71 UrhG daran scheitern lassen würde, dass es vermutlich in einer Zeit, über die es keine gesicherten Erkenntnisse aus schriftlichen oder bildlichen Überlieferungen gibt bzw. geben kann, einer nicht mehr feststellbaren oder gar zu definierenden Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Die Vorschrift des § 71 UrhG sollte gerade dazu beitragen, dass verschollenes Kulturgut der heutigen Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.7)

Gerade dadurch wird es der Öffentlichkeit und weiten Kreisen der Wissenschaft überhaupt erst ermöglicht, Erkenntnisse über solche weit zurück liegenden Zeiten und deren Kultur zu erwerben, die im übrigen eine Diskussion, wie die in dem vorliegenden Fall, ob das Werk bereits öffentlich erschienen ist oder nicht, überhaupt erst ermöglichen. Dies rechtfertigt es nach Auffassung der Kammer auch unter Berücksichtigung des sich beispielsweise aus § 70 UrhG ergebenden Rechtsgedankens, demjenigen den Schutz des § 71 UrhG zuzubilligen, der sich im Rahmen eines erstmaligen Erscheinens bzw. einer erstmaligen öffentlichen Wiedergabe auch mit der Bedeutung, Interpretation und Restaurierung solcher Werke befasst und damit eine der Leistung des Urhebers gleichwertige, eigene persönliche geistige Leistung erbringt.8)

~~DISCUSSION~~

siehe auch

1) , 2) LG Magdeburg, Urteil vom 16.10.2003 - 7 O 847/03
3) , 4) , 6) , 7) , 8) LG Magdeburg, Urteil vom 19.04.2005 - 5 W 32/05
5) LG Magdeburg, Urteil vom 19.04.2005 - 5 W 32/05; m.V.a. Schricker a.a.O. § 71 Rdn. 10
urheberrecht/himmelsscheibe_von_nebra.txt · Zuletzt geändert: 2017/01/24 14:10 (Externe Bearbeitung)