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privatrecht:unberechtigte_namensanmassung

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Unberechtigte Namensanmaßung

Eine unberechtigte Namensanmaßung nach § 12 Satz 1 Fall 2 BGB [→ Namensrecht] liegt vor, wenn ein Dritter unbefugt den gleichen Namen gebraucht, dadurch eine Zuordnungsverwirrung eintritt und schutzwürdige Interessen des Namensträgers verletzt werden.1)

Von dem Gebrauch eines Namens i.S. des § 12 BGB ist nicht nur bei einer namens- oder kennzeichenmäßigen Benutzung der Bezeichnung durch einen Dritten auszugehen, sondern auch bei einer Verwendungsweise des Namens, durch die der Namensträger zu bestimmten Einrichtungen, Gütern oder Produkten in Beziehung gesetzt wird, mit denen er nichts zu tun hat. Dabei genügt, dass im Verkehr der falsche Eindruck entsteht, der Namensträger habe dem Benutzer ein Recht zur entsprechenden Verwendung des Namens erteilt.2)

Der Gebrauch eines Namens ist unbefugt, wenn dem Verwender keine eigenen Rechte an diesem Namen zustehen.3)

Allerdings kann nicht jede Verwendung eines fremden Namens als „Gebrauchen“ im Sinne von § 12 BGB angesehen werden. Die Vorschrift bezweckt allein den Schutz des Namens in seiner Funktion als Identitätsbezeichnung der Person seines Trägers. Deshalb sind nur solche Verwendungen verboten, die geeignet sind, eine namensmäßige Zuordnungsverwirrung hervorzurufen.4)

Dafür kommt sowohl ein namens- oder kennzeichenmäßiger Gebrauch des Namens durch einen Dritten als auch eine Verwendung in Betracht, durch die der Namensträger zu bestimmten Einrichtungen, Gütern oder Erzeugnissen in Beziehung gesetzt wird, mit denen er nichts zu tun hat. Hierfür genügt es, dass im Verkehr der falsche Eindruck entstehen kann, der Namensträger habe dem Benutzer ein Recht zur entsprechenden Verwendung des Namens erteilt.5)

Der Begriff des Interesses im Sinne von § 12 BGB ist weit gefasst und umfasst außerhalb des Geschäftsverkehrs nicht nur ein vermögensrechtliches oder geschäftliches, sondern jedes Interesse des Namensträgers, auch ein rein persönliches oder ideelles und sogar ein bloßes Affektionsinteresse.6)

Im Bereich des bürgerlichen Namens reicht bereits das Interesse des Namensträgers, nicht mit anderen Personen verwechselt oder in Beziehung gebracht zu werden.7)

Interessensabwägung

Ein Interesse kann nur dann als berechtigt anerkannt werden, wenn es schutzwürdig ist, und die Frage der Schutzwürdigkeit kann nur dann richtig beurteilt werden, wenn auch entgegengesetzte Belange berücksichtigt werden und beim Widerstreit verschiedener Interessen abgewogen wird, welches Interesse größere Beachtung verdient und daher vorgehen muss.8)

Der Nichtberechtigte kann zwar in der Regel nicht auf schützenswerte Belange verweisen, die zu seinen Gunsten zu berücksichtigen wären, so dass bereits der unbefugte Namensgebrauch die Interessenverletzung indiziert.9)

Eine Ausnahme von dieser Regel muss neben anderen Fällen10) aber dann gemacht werden, wenn dem Nichtberechtigten seinerseits ein namensrechtlich geschütztes Interesse an der Verwendung der in Rede stehenden Bezeichnung zur Seite steht.11)

Ein solches Interesse kann auch in der Befugnis bestehen, ein Haus oder Grundstück mit dem fremden Namen zu bezeichnen und hierfür selbst Namensschutz nach § 12 BGB zu beanspruchen.12)

siehe auch

§ 12 BGB → Namensrecht

1) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, Urteil vom 8. Februar 2008 I ZR 59/04, BGHZ 171, 104 Rn. 11 grundke.de; Urteil vom 24. April 2008 I ZR 159/05, GRUR 2008, 1099 Rn. 18 = WRP 2008, 1520 afilias.de
2) BGH, Urt. v. 14. Juni 2006 - I ZR 249/03 - Stadt Geldern; BGHZ 119, 237, 245 f. - Universitätsemblem; BGH, Urt. v. 28.3.2002 - I ZR 235/99, GRUR 2002, 917, 919 = WRP 2002, 1169 - Düsseldorfer Stadtwappen; BGHZ 161, 216, 221 - Pro Fide Catholica
3) BGH, Urt. v. 24. April 2008 – I ZR 159/05 - afilias.de; m.V.a. BGHZ 155, 273, 277 – maxem.de
4) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, Urteil vom 28. März 2002 I ZR 235/99, GRUR 2002, 917, 919 = WRP 2002, 1169 Düsseldorfer Stadtwappen; Urteil vom 2. Dezember 2004 I ZR 92/02, BGHZ 161, 216, 220 Pro Fide Catholica
5) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, GRUR 2002, 917, 919 - Düsseldorfer Stadtwappen; BGHZ 161, 216, 221 - Pro Fide Catholica
6) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, Urteil vom 15. Januar 1953 IV ZR 76/52, BGHZ 8, 318, 322 f.; Ur-teil vom 4. Februar 1958 I ZR 23/57, GRUR 1958, 302, 303 - Lego; Urteil vom 15. November 1984 IVb ZR 46/83, WM 1985, 95; MünchKomm.BGB/Bay-reuther aaO § 12 Rn. 216
7) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, WM 1985, 95, 96
8) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, GRUR 1958, 302, 303 Lego; BGH, WM 1985, 95
9) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, GRUR 2008, 1099 Rn. 27 afilias.de; MünchKomm.BGB/Bayreuther aaO § 12 Rn. 217
10) vgl. BGH, GRUR 2008, 1099 Rn. 28 ff. afilias.de
11) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09; m.V.a. BGH, Urteil vom 24. November 1993 XII ZR 51/92, BGHZ 124, 173, 183
12) BGH, Urteil vom 28. September 2011 - I ZR 188/09
privatrecht/unberechtigte_namensanmassung.txt · Zuletzt geändert: 2017/01/24 14:10 (Externe Bearbeitung)