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verfahrensrecht:wiederholte_und_nachtraegliche_vernehmung
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Wiederholte und nachträgliche Vernehmung

§ 398 der Zivilprozessordnung (ZPO) regelt die Bedingungen, unter denen das Prozessgericht die wiederholte oder nachträgliche Vernehmung eines Zeugen anordnen kann.

§ 398 (1) ZPO → Ermessen des Gerichts zur wiederholten Vernehmung
Das Prozessgericht kann nach seinem Ermessen die wiederholte Vernehmung eines Zeugen anordnen.

§ 398 (2) ZPO → Nachträgliche Vernehmung bei verweigerter Frage
Wenn ein beauftragter oder ersuchter Richter die Stellung einer von einer Partei angeregten Frage verweigert hat, kann das Prozessgericht die nachträgliche Vernehmung des Zeugen über diese Frage anordnen.

§ 398 (3) ZPO → Versicherung der Richtigkeit ohne erneute Beeidigung
Bei der wiederholten oder nachträglichen Vernehmung kann der Richter den Zeugen die Richtigkeit seiner Aussage unter Berufung auf den früher geleisteten Eid versichern lassen, anstatt eine erneute Beeidigung durchzuführen.

Gemäß § 398 Abs. 1 ZPO [→ Wiederholte und nachträgliche Vernehmung] steht die wiederholte Vernehmung eines Zeugen im Ermessen des Berufungsgerichts. Diesem Ermessen sind aber Grenzen gesetzt. So muss das Berufungsgericht einen bereits in erster Instanz vernommenen Zeugen nochmals gemäß § 398 Abs. 1 ZPO vernehmen, wenn es dessen Aussage anders würdigen will als die Vorinstanz.1)

Die nochmalige Vernehmung eines Zeugen kann allenfalls dann unterbleiben, wenn sich das Rechtsmittelgericht auf solche Umstände stützt, die weder die Urteilsfähigkeit, das Erinnerungsvermögen oder die Wahrheitsliebe des Zeugen noch die Vollständigkeit oder Widerspruchsfreiheit der Aussage betreffen.2)

Entsprechendes gilt, wenn die erste Instanz von der Würdigung der Aussagen der von ihr vernommenen Zeugen und der Erörterung der Glaubwürdigkeit der Zeugen ganz abgesehen hat. In der Berufungsinstanz kann ein angetretener Zeugenbeweis durch die Verwertung der Niederschrift der erstinstanzlichen Zeugenvernehmung nur ersetzt werden, wenn der persönliche Eindruck, den der Zeuge bei seiner Vernehmung hinterließ oder bei einer erneuten Vernehmung hinterlassen würde, für die Würdigung seiner Aussage nicht entscheidend ist. Anderenfalls hat eine Wiederholung der Beweisaufnahme zu erfolgen.3)

Die genannten Grundsätze gelten entsprechend für die formlose Parteianhörung.4)

Das Berufungsgericht muss einen bereits in erster Instanz vernommenen Zeugen nochmals gemäß § 398 Abs. 1 ZPO vernehmen, wenn es dessen Aussage anders als die Vorinstanz verstehen oder würdigen will. Für die formlose Parteianhörung gilt nichts anderes.5)

siehe auch

ZPO, Buch 1, Abschnitt 3, Titel 7 → Titel 7: Zeugenbeweis
Regelt die Aufnahme und Behandlung von Zeugenaussagen im Zivilprozess, einschließlich der Rechte und Pflichten der Zeugen und der Parteien sowie der gerichtlichen Befugnisse bei der Beweisaufnahme.

1)
st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 19. Dezember 2024 - I ZR 70/24; BGH, Urteil vom 3. Dezember 2024 – VI ZR 18/24, Rn. 33; m.V.a. BGH, Beschluss vom 28. Februar 2023 - VI ZR 98/22, NJW-RR 2023, 700 Rn. 7 mwN; BGH, Beschluss vom 24. Juli 2024 – VII ZR 229/23, Rn. 12; m.V.a. BGH, Beschluss vom 24. April 2024 - VII ZR 136/23 Rn. 12 m.w.N., juris; BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2023 – IV ZR 12/23, Rn. 14; m.V.a. BGH, Beschluss vom 7. November 2018 - IV ZR 189/17, ZEV 2019, 281 Rn. 8; BGH, Beschluss vom 21. März 2018 - IV ZR 248/17, VersR 2018, 1023 Rn. 10; BGH, Beschluss vom 10. November 2010 - IV ZR 122/09, VersR 2011, 369 Rn. 6; BGH, Beschluss vom 21. April 2010 - IV ZR 172/09, juris Rn. 5; jeweils m.w.N.; BGH, Beschluss vom 23. November 2023 – V ZR 59/23, Rn. 6; vgl. BGH, Beschluss vom 14. Juli 2009 - VIII ZR 3/09, NJW-RR 2009, 1291 Rn. 4 f.; BGH, Urteil vom 28. Februar 2023 - VI ZR 98/22, NJW-RR 2023, 700 Rn. 6 f.
2)
st. Rspr.; BGH, Beschluss vom 19. Dezember 2024 - I ZR 70/24; m.V.a. BGH, Beschluss vom 25. Oktober 2022 - VI ZR 382/21, NJW-RR 2023, 636 [juris Rn. 9] mwN; BGH, Urteil vom 3. Dezember 2024 – VI ZR 18/24, Rn. 33; m.V.a. BGH, Beschluss vom 28. Februar 2023 - VI ZR 98/22, NJW-RR 2023, 700 Rn. 7 mwN; BGH, Beschluss vom 24. Juli 2024 – VII ZR 229/23, Rn. 12; m.V.a. BGH, Beschluss vom 24. April 2024 - VII ZR 136/23 Rn. 12 m.w.N., juris; BGH, Beschluss vom 13. Dezember 2023 – IV ZR 12/23, Rn. 14; m.V.a. BGH, Beschluss vom 7. November 2018 - IV ZR 189/17, ZEV 2019, 281 Rn. 8; BGH, Beschluss vom 21. März 2018 - IV ZR 248/17, VersR 2018, 1023 Rn. 10; BGH, Beschluss vom 10. November 2010 - IV ZR 122/09, VersR 2011, 369 Rn. 6; jeweils m.w.N.; BGH, Beschluss vom 23. November 2023 – V ZR 59/23, Rn. 6; vgl. BGH, Beschluss vom 14. Juli 2009 - VIII ZR 3/09, NJW-RR 2009, 1291 Rn. 4 f.; BGH, Urteil vom 28. Februar 2023 - VI ZR 98/22, NJW-RR 2023, 700 Rn. 6 f.
3)
BGH, Beschluss vom 19. Dezember 2024 - I ZR 70/24; m.V.a. BGH, NJW-RR 2023, 636 [juris Rn. 10] mwN; BGH, Beschluss vom 2. August 2022 – VIII ZR 314/20, Rn. 10 f.; vgl. BGH, Urteil vom 16. Dezember 1999 - III ZR 295/98, NJW-RR 2000, 432 unter II 2 b; BGH, Beschluss vom 27. April 2021 - VI ZR 845/20, NJW-RR 2021, 1074 Rn. 9; jeweils mwN; vgl. auch BGH, Urteil vom 23. November 2017 - I ZR 51/16, NJW-RR 2018, 551 Rn. 29; BGH, Urteil vom 7. Juli 1981 - VI ZR 48/80, NJW 1982, 108 unter II 1 a, b
4)
BGH, Beschluss vom 19. Dezember 2024 - I ZR 70/24; m.V.a. BGH, NJW-RR 2023, 636 [juris Rn. 11]; BGH, Urteil vom 3. Dezember 2024 – VI ZR 18/24, Rn. 33; m.V.a. BGH, Urteil vom 25. Juli 2017 - VI ZR 103/17, NJW 2018, 308 Rn. 10 mwN; BVerfG, NJW 2017, 3218 Rn. 58
5)
BGH, Urteil vom 14. November 2023 – XI ZR 88/23, Rn. 46; m.V.a. BGH, Urteil vom 28. Mai 2013 - XI ZR 420/10, juris Rn. 20; BGH, Beschluss vom 17. September 2013 - XI ZR 394/12, NZG 2013, 1436 Rn. 10; BGH, Beschluss vom 21. Oktober 2020 - XII ZR 114/19, NJW-RR 2020, 1519 Rn. 6; BVerfG, NJW 2017, 3218 Rn. 58; BGH, Beschluss vom 27. September 2017 - XII ZR 48/17, WM 2018, 53 Rn. 12
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